Ich nenne Konflikte gerne Bedürfnisaustausch, denn darum geht es eigentlich. Nur weiß nicht jeder gleich, welches Bedürfnis er gerade wirklich hat und der andere fühlt sich oft verantwortlich für seinen Mitmenschen. Wenn hier keine Klarheit herrscht kommt es irgendwann zum Konflikt oder eben Streit und das Miteinander macht keinen Spaß mehr.

Du hast Streit und wünschst dir, dass das endlich geklärt wird? Du wünschst dir Nähe und Verbundenheit, aber es herrscht nur Unsicherheit und Distanz? Nach nur wenigen Sätzen kracht es?

Dann braucht jeder von euch Verständnis. Ich höre und arbeite gerne mit jedem von euch seine ganz eigenen Gefühle und Bedürfnisse heraus. Auch erstmal ohne den anderen Konfliktpartner. Das braucht es oft. Denn wenn ihr zu mir kommt, ist das kein Konflikt der erst seit gestern euer gemeinsames Leben belastet. Oft sind es auch Themen, die sich bei anderen Menschen wiederspiegeln.

Bei Konflikten spielen ganz häufig unsere Prägungen aus der Kindheit eine große Rolle. Das sind die ersten 6 Jahre und sie beginnen schon in der Schwangerschaft. Diese laufen unbewusst ab, solange wir uns nicht mit ihnen auseinander gesetzt haben.

Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, dann lies dir dieses Beispiel durch. In kursiv geschrieben. Wenn nicht, dann scrolle ein ganzes Stück nach unten.

Sabine und Paul leben zusammen in einer WG. Sabine hat sich bei ihren Eltern wohl gefühlt, vorallem beim Vater, der mehr Zeit und Fürsorge mit ihr als Kind verbracht hat als ihre Mutter. Ihre Mutter war oft traurig, weshalb Sabine sich Mühe gegeben hat ihr Freude zu bereiten. Wenn Sabine ihrer Mutter geholfen hat, war ihre Mutter etwas besser drauf. Sabine hatte immer zur Hand zugehen und freundlich zu sein.

Bei Paul war es ganz anders. Paul hasste seine Eltern und seine Kindheit war eine Leidensgemeinschaft. Er hatte nur das zu tun, was seine Eltern wollten, ohne Erklärung. Wenn er starke Gefühle hatte wurde er weggesperrt. Paul war sehr enttäuscht von seiner Mutter, die ihm für vieles was schief lief, die Schuld gegeben hat und ihn oft in schwierigen Lagen alleine gelassen hat.

In der WG sollte die Küche abends aufgeräumt werden. Sabine machte das gerne mit den anderen Bewohnern zusammen. Paul wollte immer alles alleine machen. Sabine meinte, dass es doch zusammen schneller ginge und mehr Spaß machte. Aber Paul wurde nur grummelig, sagte er mache das dann schon und meinte Sabine sollte sich nicht immer so aufdrängeln.

Sabine verstand diese harschen und abweisenden Worte nicht. Sie wollte doch nur helfen und andere glücklich machen. Traurig und zögerlich ließ sie die Küche stehen und ging auf ihr Zimmer.

Am nächsten Tag war die Küche nicht ganz aufgeräumt und Sabine wunderte sich und sprach Paul darauf an. Paul war sofort wieder in seiner grummeligen Stimmung und meinte abwehrend, es sei gestern doch so spät gewesen und er hat es halt doch nicht geschafft. Er könne es ja heute früh machen. Als Sabine ihm wieder ihre Hilfe anbot, wurde Paul noch wütender. Sagte aber nicht genau was er braucht und möchte. Und ging dann einfach wieder weg.

Das ist ein ganz typisches Bespiel dafür wie wir unsere Erfahrungen aus der Kindheit mit ins Erwachsenenleben nehmen. Sabine kennt es nicht anders als zu helfen und versteht nicht, dass Paul keine Hilfe möchte. Sie weiß auch nicht, wie man mit so einem Menschen umgeht. Also sich gesund abgrenzt. Paul ist soviel Hilfe und Zuneigung nicht gewöhnt. Er musste als Kind alles alleine machen und hört dadurch bei Ideen von anderen Kritik und vorallem Schuldzuweisung heraus. Paul hat gelernt sich abzukapslen und sich schlecht gelaunt zurückzuziehen. Sabine wird durch Paul an ihre traurige Mutter zurückerinnert, unbewusst, und sie will sie bzw. Paul wieder glücklich machen.

Dieser Konflikt, der nicht nur einmal stattgefunde hat und mittlerweile zu immer mehr Spannung in der WG führt, kann ohne das anschauen seiner Prägung aus der Kindheit nicht aufgelöst werden.

Paul darf lernen, dass jetzt seine Meinung angehört wird und er nicht mehr in sein Zimmer geschickt wird, wenn er Bedürfnisse hat. In der neuen WG wollen alle darauf achten, dass jeder gehört und verstanden wird und das Bedürfnisse bestmöglichst erfüllt werden. Pauls Leidensgemeinschaft ist vorbei, aber wie fühlt sich das an? Er hat Menschen die ihn sehen und verstehen wollen, die ihm helfen möchten. Er ist den Anschuldigungen seiner damaligen Mutter nicht mehr ausgeliefert. Die anderen wollen ihn nicht mehr klein machen. Sie sprechen nur über ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse.

Sabine darf lernen, dass sie nicht Schuld ist, wenn ihr Gegenüber schlechte Laune hat. Sie trägt keine Verantwortung für die Gefühle ihres Gegenübers. Sie kann Paul nicht glücklich machen, das kann wenn, nur er selbst. Undszwar indem er lernt sich zu fühlen und seine Gefühle und die daraus resultierenden Bedürfnisse in Kontakt zu bringen. Auf offene Ohren kann er nur stoßen, wenn Sabine ihre Überverantwortlichkeit für Pauls Gefühlsleben reguliert. Denn sonst fällt Sabine auch in Vorwürfe.

Und Vorwürfe sind Bedüfnisse mit verknoteter Zunge.

Wenn sich jeder verstanden und angenommen fühlt ist es ein leichtes Lösungen zu finden, die für alle zufriedenstellend sind. Die gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg kombiniert mit meinen Fähigkeiten als Gefühlsübersetzterin nutze ich hier sehr gerne. Konflikte verbinden uns, wenn jeder es schafft, über seine wahren Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen. Und die Betroffenen lernen, mit ihren eigenen Gefühle umzugehen, dass es keinen Schuldigen gibt und sie MIT Fehlern richtige, wichtige und wertvolle Menschen sind.